Ungarn -GP: Was ist drin für McLaren-Honda?

Für McLaren-Honda könnte der Ungarn GP sportlich eine der größten Chancen der gesamten Saison werden. Doch neben der Performance auf der Strecke steht weiterhin die Frage im Fokus, ob die leidgeprüfte Britisch-Japanische Allianz auch 2018 zusammen an den Start gehen wird.

Steven Tee/McLaren

Das anstehende Wochenende in Ungarn wird auch in diesem Jahr wieder eine der größten Hoffnungen auf Punkte für McLaren werden.  Nicht umsonst rechnen sich die Verantwortlichen nur in Monaco und Singapur ähnliche Chancen aus. Bereits in den letzten beiden Jahren konnte man auf dem Hungaroring, einer Strecke auf der ein gutes Chassis deutlich besser zur Geltung kommt, als bei den meisten anderen Rennen im Kalender, die besten Saisonergebnisse erzielen.

Die Statistik gibt ihnen Recht:

Während Fernando Alonso und Jenson Button im Katastrophenjahr 2015 hier  mit den Plätzen 5 und 9 glänzten,  schafften es beim letztjährigen GP beide McLaren-Fahrer erstmals seit 2014 in den dritten Qualifikationsabschnitt.

Auch dass der MCL32 der wohl vom Chassis her beste McLaren in den letzten Jahren ist und man in Silverstone deutliche Fortschritte von der Pace sehen konnte, spricht für eine gute Chance an diesem Wochenende.

Alonso muss an diesem Wochenende ausnahmsweise auch nach jetzigen Stand noch nicht über eine Startplatzstrafe bangen: Dieser Umstand ist der Tatsache geschuldet, dass man bereits in Silverstone sämtliche Teile an der Powerunit des Wagens mit der Startnummer 14 wechselte, um sich in Ungarn nicht um eine gute Chance zu bringen.

Steven Tee/McLaren

Zu der Hoffnung des guten Chassis und der wohl gewohnt einwandfreien Leistung von Alonso, gesellt sich jedoch auch Mut auf der anderen Seite der Garage. Stoffel Vandoorne konnte bei den letzten Rennen ein klaren Aufwärtstrend verzeichnen, zuletzt sogar seinen Teamkollegen zum ersten Mal in dieser Saison ausqualifizieren.

“Auch wenn wir etwas Pech hatten, fühle ich, dass meine Performance sich von Rennen zu Rennen steigert. Ich arbeite hart mit den Ingenieuren und fühle mich nun wohl im Auto. Meine Rennwochenenden laufen nun deutlich besser als im ersten Teil der Saison und wir machen als Team jedes Wochenende Fortschritte. Wir haben die Geduld, arbeiten hart und hoffen dass sich unser Einsatz lohnen wird.”

Das Team weiß: Es gibt in dieser Saison nicht mehr solche großen Chancen wie in Ungarn, Punkte zu holen. Und die hat man auch bitter nötig, denn selbst 2015 hatte man zum aktuellen Zeitpunkt mehr Punkte als jetzt. Mit zwei Punkten hängt das einstige Siegerteam weiterhin auf dem letzten Platz der Konstrukteursweltmeisterschaft.

Sutton/McLaren

Doch ebenso gibt es berechtigte Sorge, dass aus einem guten Punkteresultat erneut nichts werden könnte: Und da wären wir bereits beim Thema Honda angelangt. Während die Japaner die Antriebseinheit nach der letzten Ausbaustufe zumindest leistungsmäßig etwas nach vorne bringen konnten, wird man weiterhin von Zuverlässigkeitsproblemen heimgesucht. Zuletzt traf es Alonso beim Rennen in Silverstone, als der Spanier sein McLaren wiedermal mit den Worten “No power” in die Box schleppen musste. Grund genug für den Starpiloten sich Gedanken zu machen:

“Das Wichtigste ist für uns wie immer die Zuverlässigkeit. Selbst wenn unser Auto in Ungarn konkurrenzfähiger sein wird, brauchen wir ein Problemfreies Wochenende um jede Chance auf Punkte nutzen zu können. ” – Fernando Alonso

Hierbei sei eine aktuelle Statistik von den Kollegen bei Speedweek.com erwähnenswert: Diese zogen die Ausfallquote von Alonso aus den Jahren 2005 bis 2014 zum Vergleich mit der von 2015 bis Mitte 2017 heran. Das Ergebnis: Während Alonso in den ersten genannten Jahren eine Ausfallquote von weniger als 10% vorzuweisen hatte, schied der Spanier in den letzten drei Jahren in 40% (!) aller Rennen aus.

Andrew Hone/McLaren

In Bezug auf die Konkurrenzfähigkeit des Motors drängte sich in den letzten Wochen immer mehr die Frage auf, wie es mit der einst so glohrreichen Partnerschaft McLaren-Honda weitergehen könnte. Wenn es nach einigen Medienberichten ginge, würde McLaren 2018 wohl mit vier verschiedenen Motoren an den Start gehen. Vom sicher erzählten Mercedes-Comeback, über ein Alfa Romeo-Ferrari Motor und zuletzt die Möglichkeit Renault. Fakt ist: McLaren und Honda haben ein bestehenden Vertrag und Honda-Motorsport-Chef Masashi Yamamoto stellt klar:

“Wir haben einen Vertrag mit McLaren. Und der sieht nicht vor, dass McLaren mit einem anderen Partner arbeiten kann, auch nicht übergangsmässig. Für uns käme das ohnehin nicht in Betracht. Einen Rückzug aus der Formel 1 wird es nicht geben. Ich rede ständig mit Firmenpräsident Takahiro Hachigo. Es gibt keine Absicht, die Formel 1 zu verlassen.”

Auch die Worte von McLaren-Boss Zak Brown klingen mittlerweile deutlich zahmer als noch vor einigen Wochen. Mercedes und Ferrari scheinen nicht zu wollen und ob man das Risiko “Renault” eingeht, ist ebenfalls fraglich. Die Wahrscheinlichkeit McLaren und Honda 2018 gemeinsam am Start zu sehen, wird immer höher.

Was auch immer am Ende bei diesem Motorentheater rauskommen wird, eine Entscheidung ist wohl in den nächsten Wochen nicht in Sicht. So bleibt den Verantwortlichen aus Woking und auch den McLaren-Fans nichts anderes übrig, als das Beste aus der Situation zu machen und an diesem Wochenende erneut auf eine ähnliche Sensation wie in Silverstone zu hoffen, als mit dem kurzfristigen Schachzug auf abtrocknender Strecke auf Slicks zu wechseln, am Ende von Q1 mit tosenden Applaus das Erste Mal seit Indien 2013 ein McLaren auf Platz 1 in einer offiziellen Session stand.

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